Die Verteidigung in Strafsachen kann selbstverständlich letztlich nie besser sein, als es der gegebene Sachverhalt hergibt – damit sind die Aussichten der Verteidigung von vornherein nicht in jedem Fall gleich. Allerdings müssen, das ist unsere Erfahrung, auch tragfähige Verteidigungsgründe oftmals mit allem professionellen Geschick, aller Energie und unter Beachtung nicht nur der juristischen Verfahrensregeln, sondern auch der sozialpsychologischen Aspekte in das Verfahren eingebracht werden, um bei Gericht durchzudringen. Denn dort ist zunächst einmal nur der Akteninhalt und damit das Ermittlungsergebnis der Staatsanwaltschaft als Verfolgungsbehörde bekannt. Richter haben daher – wie erfahrungswissenschaftliche Untersuchungen zeigen – durch die Eröffnung des Hauptverfahrens tendenziell den Standpunkt eingenommen, dass die Anklage zutrifft. Auch sehr menschliche Schwächen von Richtern befördern solche Voreingenommenheiten, die im Verfahren oft als massive Behinderung des Verteidigerhandelns daherkommen. 

Es ist daher immer anzuraten, sich bei einem Strafvorwurf durch einen Rechtsanwalt verteidigen zu lassen.

  • Besonderheiten bei den Kosten:

Auch wenn der Mandant mittellos ist, müssen die Kosten einer solchen Vertretung kein Argument dagegen sein. Wir bemühen uns zunächst immer, für Sie als Pflichtverteidiger beigeordnet zu werden. Das setzt eine umfassende Kenntnis und Prüfung der jeweils aktuellen Rechtsprechung zu den im Gesetz genannten Beiordnungsgründen voraus. Der wichtigste und unproblematischste Beiordnungsgrund ist in der Praxis die „Schwere der Tat“. Auch wenn keine hohe Strafdrohung im Raum steht, kann jedoch eine Beiordnung wegen der „Schwierigkeit der Sach- und Rechtslage“ oder der „Unfähigkeit zur Selbstverteidigung“ erfolgen. Diese Beiordnungsgründe werden häufig – auch von Kollegen – nicht in vollem Umfang ausgeschöpft. Eine „Schwierigkeit der Sach- und Rechtslage“ ist immer gegeben, wenn die Beweisführung schwierig ist, z.B. wegen einer Wahllichtbildvorlage, wegen eines Sachverständigengutachtens oder wegen der großen Zahl der Zeugen. „Unfähigkeit zur Selbstverteidigung“ wird z.B. angenommen, wenn sich Mitangeklagte gegenseitig der Tat bezichtigen und einer der Angeklagten bereits verteidigt ist.

  • Unsere Arbeits-Philosophie:
Unsere Maxime können wir dem Buch eines Kollegen entnehmen: „Verteidigung ist Kampf, Kampf um die Rechte des Beschuldigten im Widerstreit mit den Organen des Staates, die dem Auftrag zur Verfolgung von Straftaten zu genügen haben.“ (Dahs, Handbuch des Strafverteidigers, Rn 1). Als Verteidiger haben wir alle den Beschuldigten entlastenden Umstände zur Geltung zu bringen und über die Gesetzlichkeit des Verfahrens zu wachen – und das setzt Kampfbereitschaft voraus, kann doch der Staat im Strafverfahren seine Machtmittel mit voller Wucht zum Einsatz bringen.

Im Ermittlungsverfahren legen wir deshalb höchsten Wert darauf, die von der Staatsanwaltschaft ermittelten belastenden Umstände im Detail mit dem Mandanten zu erörtern. Dazu sind eingehende Besprechungen vor und nach der Akteneinsicht unabdingbar. Auf dieser Grundlage arbeiten wir mit dem Mandanten eine wohldurchdachte schriftliche Einlassung zu den Vorwürfen aus.

Sollte es zur Anklage kommen, kommt der Hauptverhandlung die entscheidende Bedeutung zu. Wir legen daher – auch in eher unspektakulären Fällen – großen Wert auf intensive Vorbereitung der Hauptverhandlung. 

Insbesondere die Befragung der Belastungszeugen muss umfassend geplant werden. Das gilt nicht nur für die strategischen Überlegungen und die sich daraus abzuleitenden Frageformen, rhetorischen Mittel und Befragungsthemen, sondern auch für aussagepsychologische Auffälligkeiten. Nicht zu unterschätzen ist auch das Verteidigerplädoyer: Es ist zwar nicht der uneingeschränkte Höhepunkt des Strafprozesses, da sich das Schicksal des Angeklagten teilweise schon im Ermittlungsverfahren oder spätestens in der Beweisaufnahme entscheidet. Mit dem Plädoyer kann der Verteidiger deshalb nur das ernten, was zuvor auch gesät wurde. In einer Spitz auf Knopf stehenden Sache kann aber ein gelungener Schlussvortrag durchaus von ausschlaggebender Bedeutung sein. Wir berücksichtigten daher beim Pladoyer kommunikationstheoretische ebenso wie sozialpsychologische Aspekte.

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